2011

Geschick im System. Der Kunsthändler Hans W. Lange

Logo Texte zum Kunsthandel 1933-1945 Caroline FlickDer Aufsatz bietet einen ersten kategorischen Aufriss über die Kundengruppen, die Hans W. Lange in dem 1937 übernommenen und damit „arisierten“ Kunstauktionshaus bediente. Mit ersten Beispielen werden private Sammler vorgestellt, häufig Einlieferer und Käufer zugleich, sowie Verkäufe von Emigranten, Anweisungen des Oberfinanzpräsidenten und Ankäufe Langes aus enteignetem Besitz.

Die privaten Käufer trugen das System, weil sie wahrscheinlich etwa die Hälfte des gesamten Angebots in den 35 Auktionen mit etwa 15.000 Kunstwerken erwarben, in das zahlreiche Raubgüter von Verfolgten des nationalsozialistischen Regimes eingingen.

Wer noch über die Wahl des Verkäufers selbst entscheiden konnte, wählte Lange, um die ästhetischen Werte zu schützen und auf gute Preise hoffen zu können. Auch wessen Güter nach der Enteignung von Finanzbehörden veräußert wurden, hätte einiges bei Lange wiedererkennen können.

Die Behörden und Instanzen bedienten sich seiner, ganz modern, zur Erlösmaximierung und machten ihn zum willigen Instrument anonymisierter Streuung des geraubten Kulturguts. Lange selbst fand aufgrund seines Expertenwissens in Zwangs- und Sammelversteigerungen immer wieder lohnende Werke, die er seinen Kunden verfügbar machte.

Staat und Partei, Museen wie auch das „Führermuseum“, das in Linz entstehen sollte, kauften bei ihm für den ‘nationalen Rückkauf’, zur Repräsentation oder Aufwertung von Sammlungen und zahlten zwischen nachlassendem Angebot und wachsender Nachfrage Höchstpreise.

Aus dieser Interessenverflechtung gegenseitiger Nutzen entstand der Sog, der Langes Haus zum führenden am Platze werden ließ und die Verwertung von Raubgut zu hohen Preisen garantierte, das zu einem großen Teil auch aus öffentlichen Geldern bei ihm eingekauft wurde.

Publikationsgeschichte

Nach einer Idee von Katja Terlau Ende 2010 sollten prominente „Kunstexperten“ an verschiedenen Schaltstellen des „Dritten Reichs“ in einem Sammelband vorgestellt werden. Von Andrea Baresel-Brand als Band 10 in der Reihe der Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle Kulturgutverluste Magdeburg vorgesehen, wurde dieser Aufsatz von der Herausgeberin im November 2011 angenommen und sollte ursprünglich 2012 erscheinen.

Infolge einiger Verzögerungen und des institutionellen Umbaus wurde dieser Band 2014 an das neuzugründende Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste abgegeben. Im Dezember 2015 sagte das DZK die Realisierung dieses Sammelbandes, die Publikation von 15 wissenschaftlichen Originalbeiträgen, ab.

Der Aufsatz wurde vergütet und steht, aus öffentlichen Geldern bezahlt, der Öffentlichkeit mithin auch zu. Die Ironie, dass mehr als das Honorar eingesetzt werden muss, um diese Öffentlichkeit auch herzustellen, möchte erwähnt sein.

Interessierte Leser können sich zudem leicht über neuere Ergebnisse zu einzelnen Beispielen informieren, insbesondere zum letzten im Aufsatz genannten Vergleich. Der Aufriss hingegen bleibt gültig.

 

Download: Geschick im System (PDF-Datei)

Jedermann darf dieses Werk unter den Bedingungen der Digital Peer Publishing Lizenz (DPPL) elektronisch übermitteln und zum Download bereitstellen. Der Lizenztext ist im Internet abrufbar unter der Adresse http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0009-dppl-v2-de3.