Aufsätze

Logo Texte zum Kunsthandel 1933-1945 Caroline FlickDer Berliner Kunsthändler Hans Wolfgang Lange (1904-1945) wurde bisher immer wieder vor allem durch einschlägige Charakterisierungen im Zusammenhang mit Raubkunst bekannt. Tatsächlich konnte er durch Fachkenntnisse, Sammlerwissen und finanzielle Kompetenzen sowie durch die politische Konstellation in eine herausragende Position im Kunsthandel der NS-Zeit hineinwachsen.

Voraussetzungen

Seit 1925 von dem namhaften Auktionator, Buch- und Kunsthändler Paul Graupe (1881-1953) ausgebildet, arbeitete Hans W. Lange schließlich bei ihm als Geschäftsführer. Graupe wurde 1935 als ‘Jude’ aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen, wegen seiner hohen Deviseneinkommen dann jedoch mit einer Sondergenehmigung wieder aufgenommen.

Als Graupe an der Jahreswende 1936/1937 schließlich zu emigrieren beschloss, bot ein großer Auktionsauftrag die Gelegenheit, die Firma umzubauen und damit die „Arisierung“ zu vollziehen, die ihren Weiterbetrieb erlaubte. Hans W. Lange beantragte und erhielt eine Versteigerererlaubnis und Paul Graupe verkaufte ihm aus dem Schweizer Sommeraufenthalt die Firma zu einem nominellen Preis.

Kontinuität

Nach der Übernahme pflegte Lange das wertvolle Image des Auktionshauses. Er wusste seine Kunden als Einlieferer und Käufer weiter an das Haus zu binden. Neben zahlreichen eminenten, alt- wie neureichen Privatkunden bediente Lange Museen und öffentliche Sammlungen.

Ihm fielen infolge des von Graupe geerbten Rufs bedeutende Sammlungen zur Versteigerung zu. Seine Fachkenntnis erlaubte ihm die Identifikation wertvoller Stücke und sein Wissen über Kunstliebhaber das Aufspüren offerierter Sammlungen wie besonderer Einzelstücke. Mit seinen aus den Auktionen generierten ökonomischen Mitteln konnte er Konkurrenten häufig überflügeln.

Bereicherung

Dabei nahm Lange auf verschiedene Weise an der Besitzumverteilung durch die Ausplünderung der Diskriminierten und Verfolgten teil. ‘Jüdische’ Bürger ließen zur Finanzierung ihrer geplanten Emigration Sammlungsstücke von ihm verkaufen. Wiederholt gingen Großaufträge ein, mit denen „Arisierer“ angeeignete Besitztümer auf den Berliner Markt brachten, im Auftrag oder zu eigenen Gunsten.

Auch die Finanzverwaltung mehrte bei der behördlichen Verwertung der Güter, die den Emigranten und Deportierten geraubt wurden, in seinen Auktionen ihre Einnahmen erheblich. Durch eigene Aufkäufe kaum ermittelbaren Umfangs brachte Lange noch andere ‘frei’ wie zwangsweise verkaufte Kunstwerke auf den Markt.

Sein gehobenes Angebot machte ihn zu einem von allen Seiten, von Privaten und Öffentlichen wie Partei und Staat geschätzten Verkäufer.

Die folgenden Aufsätze beleuchten verschiedene Aspekte dieser Entwicklung.